RM_W_0057 SNB C 66 (Dokument)

Archivplan-Kontext


Angaben zur Identifikation

Signatur:RM_W_0057
Signatur Archivplan:RM_W_0057
Archivalienart:Fahrzeug
Titel:SNB C 66
Fahrzeugnr.(aktuell):55 85 24-29 066-2 (in Betrieb)
Fahrzeugtyp:Personenwagen Sitzwagen
Bauart:Spanisch Brötli Bahn
Betriebsbereitschaft:III Nicht funktionsfähig
Typenbild:
Baujahr:1856
Hersteller:Schweizerische Waggons-Fabrik bei Schaffhausen (Vorläuferunternehmen der Schweizerischen Industrie-Gesellschaft Neuhausen SIG)
Fahrzeugstandort:Depot Olten
Wissenswert:Die erste schweizerische Eisenbahngesellschaft war die 1837 gegründete "Basel-Zürich-Eisenbahngesellschaft". Diese wurde bereits 1841 wieder liquidiert, ohne dass etwas gebaut wurde oder ein Zug gefahren ist. Aus deren Konkursmasse inkl. Planungsunterlagen ist die Schweizerische Nordbahn (SNB) entstanden. Zur Eröffnung der ersten Eisenbahnstrecke, welche vollständig in der Schweiz lag und von Zürich nach Baden führte (auch als "Spanisch-Brötli-Bahn" bezeichnet), bestellte die SNB bei der Maschinenbau-Gesellschaft Karlsruhe von Emil Kessler vier Lokomotiven:
Die Nr. 1 "Limmat" und die Nr. 2 "Aare" der Bauart 1/3 (3 Achsen, davon 1 Triebachse) sowie die Nr. 3 "Rhein" und die Nr. 4 "Reuss" der Bauart 2/4 (4 Achsen, davon 2 Triebachsen). Die "Spanisch-Brötli-Bahn" nahm den fahrplanmässigen Betrieb am 9. August 1847 mit 4 Lokomotiven und 31 Personen- sowie 9 Güterwagen auf.

Bereits ab 1857 wurden die Maschinen aufgrund der schwachen Traktionsleistung nur noch im Bahnhofsdienst und für Materialtransporte verwendet. Die Lokomotive Nr. 1 "Limmat" wurde 1866 zur Rangiertenderlokomotive E 2/2 umgebaut und 1882 abgebrochen. Die Lokomotiven Nr. 2, 3 und 4 wurden bereits 1868 ausrangiert und abgebrochen. Mehr als diese vier Lokomotiven hatte die Schweizerische Nordbahn (SNB) nicht. 1853 wurde die SNB mit der Zürich-Bodenseebahn zur Nordostbahn (NOB) fusioniert.

Im Hinblick auf die Feier "100 Jahre Schweizer Eisenbahnen" 1947 wurde von der Schweizerischen Lokomotiv- und Maschinenfabrik (SLM) ein Nachbau der "Limmat" inkl. Schlepptender erstellt. Dazu wurden Bauteile der 1857 ebenfalls von der Firma Kessler gebauten Lokomotive "Speiser" der Schweizerischen Centralbahn (SCB) verwendet. In der HW (Hauptwerkstätte) Zürich entstanden die übrigen Wagen.

Beim Wagen SNB C 66 handelt es sich um eine Rekonstruktion der Spanisch-Brötli-Bahn mit ursprünglichem Personenwagen der Vereinigten Schweizerbahnen (VSB) von 1856. "Ältester schweizerischer Personenwagen im Originalzustand" laut Artikel "Die Spanischbrötlibahn - Die Rekonstruktion des rollenden Materials der schweizerischen Nordbahn (Zürich-Baden) 1847" von Ing. Eugène Fontanellaz in der Neuen Zürcher Zeitung vom Mittwoch, 6. August 1947.
Der Wagen stammt aus dem Jahre 1856 und war ein Wagen der VSB, ist heute jedoch mit SNB C 66 beschriftet. Die Schweizerische Nordbahn (SNB) war bereits 1853 in der Nordostbahn (NOB) aufgegangen.
Informationen zur Fahrzeugfamilie/Fahrzeugserie:Besteller des Originals: Vereinigte Schweizerbahnen (VSB) oder eine der drei Vorgängerbahnen SGAE (St. Gallisch-Appenzellische Eisenbahn), Gl-TB (Glatthalbahn) bzw. (die damalige) Schweizerische Südostbahn

Besteller der Rekonstruktion: SBB

Die VSB hatte bei ihrer Gründung 1857 62 Personenwagen, davon 36 zweiachsige C', der Rest waren Vierachser. Die Zweiachser hatten bei Ablieferung einen Achsstand von 2700 mm, bis 1886 war der Achsstand auf 3600 mm verlängert worden.
Bei der Gründung der SBB im Jahre 1902 waren noch 13 dieser zweiachsigen C' sowie zwei seit ca. 1897 als Dienstwagen X verwendete ehemalige C' vorhanden. Sie wurden 1902-1904 ausrangiert.
Einer der Wagen hat überlebt und wurde für die Landesausstellung 1914 in Bern hergerichtet und zum Vergleich mit den damals modernen Personenwagen der Serien B4ü 3901-12 und C4ü 8647-71 ausgestellt. Für die Landesausstellung wurde sein Achsstand wieder auf die ursprünglichen 2700 mm verkürzt.
Fahrzeugchronik:1856 Baujahr des Originals. Es handelt sich um einen Wagen der VSB aus der Serie C' 181-201.
vor 1886 Verlängerung des Achsstands von 2,7 m auf 3,6 m
1902 Umnummerierung der noch vorhandenen 13 gleichen Wagen zu C 6401-6413 im Rahmen der Eingliederung der VSB in die SBB
1904 Ausrangierung des Originals
1914 Rekonstruktion für die Landesausstellung in Bern; der Achsstand beträgt wieder 2,7 m
1947 Herrichtung als Wagen der Spanisch-Brötli-Bahn und Inbetriebsetzung als historisches Fahrzeug
2001 Übergabe von SBB an SBB Historic unter der Bezeichnung VSB C 66
Veröffentlichungen:[Winter, Paul, dipl. Ing.: Die historischen Fahrzeuge der SBB und des Verkehrshauses der Schweiz. Generalsekretariat SBB, Bern, 1985. Seite 4 + 36-37. keine ISBN]
[Fontanellaz, Eugène, Ing.: "Die Spanischbrötlibahn - Die Rekonstruktion des rollenden Materials der schweizerischen Nordbahn (Zürich-Baden) 1847", Neue Zürcher Zeitung vom Mittwoch, 6. August 1947, Blatt 4, Mittagsausgabe, Nr. 1519 (32)]
[Zingg, Andreas, Emmenegger, Karl, Hardmeier, Werner: Die Personen‐ und Gepäckwagen der Schweizerischen Bundesbahnen
und ihrer Vorgänger‐Gesellschaften 1847 ‒ 2010, 2025. Unveröffentlichtes Manuskript, Publikation geplant.]

Sammlungskontext

Besitzverhältnis:Eigentum
Eigentümer:SBB Historic
Betreuer:SBB Historic

Masse und Gewichte

Länge über Puffer [mm]:6690
Breite [mm]:2790
Höhe [mm]:3300
Bezugslinie (Lichtraumprofil):EBV 1
Geschwindigkeit max. vorwärts/ rückwärts [km/h]:40 / 40
Gewicht Tara [t]:6,0
Gewicht Brutto [t]:8,0

Ausstattung

Sitzplätze:32 (32 Sitzplätze 3. Klasse Raucher)
Innenbeleuchtung:Kerzen (1 Deckenlampe)
Heizung:Keine

Fahrwerk und Bremsen

Anzahl Achsen:2
Max. Achsstand [mm]:2700
Radlagertyp:Gleitlager
Feststellbremse:Spindelbremse
Festellbremsgewicht [t] / Bremshaltekraft [kN]:4 t (Holzbremssohlen)

Technische Ausrüstung und Besonderheiten

Kupplungsbauart:Steifkupplung und Not-Ketten, keine Puffer
Technische Besonderheiten:Gedeckter Reisezugwagen 3. Klasse, grün lackiert. Gleitlager. Spindel-Handbremse mit Holzbremssohlen.

Die ersten Wagen der Spanisch-Brötli-Bahn hatten ein Fahrgestell mit einachsigen Wetzlich-Drehgestellen. Diese hatten sich nicht bewährt und wurden durch gewöhnliche zweiachsige Fahrgestelle ersetzt. Bei der Rekonstruktion wurde auf das Nachbauen der Wetzlich-Drehgestelle verzichtet, die Wagen besitzen ein Fahrgestell mit fest angebrachten Achsen.

Fahrgestell und Wagenkasten bestehen aus Holz, sie haben weder Heizung noch WC oder Gepäckträger über den Sitzen. Als Beleuchtung dienen zwei Oellämpchen bzw. Kerzenlichter in den Stirnwänden.
Ansichtsbild:
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Typenzeichnung:
 

Benutzung

Erforderliche Bewilligung:Sammlungsleitung
Physische Benützbarkeit:Erschwert möglich
Zugänglichkeit:Nicht öffentlich
 

URL für diese Verz.-Einheit

URL:https://www.sbbarchiv.ch/detail.aspx?ID=511036
 
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