RM_T_0016 E 3/3 8485 (Dokument)

Archivplan-Kontext


Angaben zur Identifikation

Signatur:RM_T_0016
Signatur Archivplan:RM_T_0016
Archivalienart:Fahrzeug
Titel:E 3/3 8485
Zusatzbezeichnung:Tigerli
Fahrzeugnr.(aktuell):90 85 00-08 485-4 (in Betrieb)
Fahrzeugtyp:Triebfahrzeug Streckenlokomotive
Bauart:Dampf
Betriebsbereitschaft:I Betriebsfähig
Typenbild:
Baujahr:1907
Hersteller:Schweizerische Lokomotiv- und Maschinenfabrik SLM
Fahrzeugstandort:Depot Delémont
Wissenswert:Dreiachsige Dampflokomotiven fanden bereits ab 1870 bei allen Privatbahnen hauptsächlich im Rangier-, aber auch im einfachen Streckendienst in verschiedenen Ausführungen breite Anwendung. Die neugegründete SBB konnte 1902/03 von den Privatbahnen NOB, SCB und JS 61 dreiachsige Rangierlokomotiven übernehmen. Das genügte aber nicht, und so mussten auch ältere Streckenlokomotiven im Rangierdienst eingesetzt werden, die dafür weniger geeignet waren. Die SBB haben deshalb die 1896 für die SCB entworfene und im Jahre 1901 von der JS übernommene Rangierlok weiterbeschafft.
Heute sind die «Tigerli» derjenige Dampfloktyp, von dem in der Schweiz am meisten Fahrzeuge erhalten sind. Nebst den 3 Loks bei SBB Historic und dem Verein Dampfgruppe Zürich (VDZ) sind weitere Loks bei Museumsbahnen oder in Privatbesitz vorhanden.
Informationen zur Fahrzeugfamilie/Fahrzeugserie:Die SBB E 3/3 «Tigerli» sind einfach gebaute Nassdampf-Lokomotiven mit einem Zweizylinder-Triebwerk. Ihre Geschichte begann 1896, als die Schweizerische Centralbahn (SCB) bei der Schweizerischen Lokomotiv- und Maschinenfabrik (SLM) in Winterthur 10 Stück einer weiterentwickelten, dreiachsigen Rangierlokomotive bestellte. Diese neue Lok leistete ihren Dienst zur Zufriedenheit. Bis Ende 1901 hatte die SCB bereits 25 E 3/3 in Betrieb (SCB 5-13, 41-46, 71-80, SBB-Nummern 8401-8425). Drei weitere (SCB Nr. 47-49 / SBB Nr. 8451-8453) waren bereits bestellt, wurden aber 1902 wegen der inzwischen vollzogenen Verstaatlichung direkt an die SBB geliefer

Auch die Jura-Simplon-Bahn hatte 1901 10 Maschinen bestellt (JS 857-866, SBB-Nr. 8431-8440). Diese zehn und die drei noch von der SCB bestellten, aber erst 1902 direkt an die SBB gelieferten E 3/3, erhielten durch geänderte Führerstandsfenster ein leicht anderes Aussehen als die bisher gelieferten.
Da der Mangel an leistungsfähigen Rangierloks gross war, liess die SBB bereits 1903 eine erste Serie eigener E 3/3 bauen, welcher noch weitere folgten. Die von der SBB bestellten E 3/3 unterschieden sich äusserlich anfänglich praktisch nur durch ein nochmals leicht angepasstes Führerhaus von den ehemaligen «Privatbahnlokomotiven». Bis 1915 beschafften die SBB insgesamt 80 Lokomotiven des verbesserten Typs der ehemaligen Centralbahn. Mit den 3 von der SCB bestellten und direkt an die SBB gelieferten Lokomotiven ergab dies eine Serie von 83 E 3/3 (Nr. 8451-8533). Zusammen mit den 25 «Tigerli» von der SCB und den 10 Lokomotiven von der JS bestand die E 3/3-Flotte der SBB schliesslich aus 118 Fahrzeun.

Die «Tigerli» ersetzten bei der SBB anfänglich eine Reihe alter Streckenlokomotiven, die vor ihrer Ausrangierung noch als Rangierloks eingesetzt wurden. Sie waren bis in die 1960er-Jahre im Einsatz, vorwiegend im Rangierdienst. Einige Exemplare wurden an andere Bahnen, an Industriebetriebe und sogar ins Ausland verkauft, wo sie zum Teil heute noch als Reserve- oder Museumsfahrzeuge dienen.
Auch wenn sie hauptsächlich als Rangierloks eingesetzt waren, besassen sie die notwendigen Einrichtungen, um Reisezüge zu beheizen.

E 3/3 8451 – 8533:
Die 83 Lokomotiven basieren auf der Konstruktion aus dem Jahre 1896. Im Laufe der Beschaffung wurden folgende Änderungen vorgenommen:
Ab 8459 bis 8485: Verminderung der Siederohre (neu 122 anstelle 136) und dadurch Verkleinerung der Heizfläche von 63.1 m² auf 57.3 m².
Ab 8471: Stärkerer Rahmen und Einbau der Westinghousebremse; das Dienstgewicht erhöhte sich dadurch um 1.4 t.
Ab 8480: Vergrösserung des Achsstands von 3120 auf 3320 mm; damit konnte der hintere Kesselüberhang beseitigt und der Führerstand etwas vergrössert werden.
Ab 8486: Verminderung der Siederohre (neu 120 anstelle 122) und dadurch Verkleinerung der Heizfläche von 57.3 m² auf 56.5 m².
Vorne Rangierplattform mit Fusstritten, Geländer und Griffstangen. Verbesserte Griffstangen am Führerstand. Diese Änderungen wurden nach und nach auch an den bereits gelieferten Loks vorgenommen.
Ab ca. 1907: Die Handbremse mit Exterhebel wurde 8-klötzig auf die mittlere und hintere Achse ausgeführt bzw. bei den bisherigen Loks mit 6-Klotz-Bremse (1 Klotz auf jedem Rad) abgeändert.
Westinghousebremse bei 24 Loks mit Wirkung auf die Triebräder der Lok, bei den übrigen mit Wirkung nur auf die gekoppelten Wagen. 5 Loks zusätzlich mit Regulierbremse.
29 Loks erhielten Geschwindigkeitsmesser (7 Stück Klose, übrige Hasler) und konnten als Streckenlok mit 50 km/h Geschwindigkeit fahren (übrige Höchstgeschwindigkeit = 45 km/h).
Die beiden Lokomotiven 8521 und 8522 waren wegen der Kohleknappheit ab 1943 versuchsweise mit einer elektrischen Dampferzeugeranlage ausgerüstet. Diese bestand aus zwei Elektroverdampfern, welche über je einen Transformator mit Strom aus dem Fahrdraht versorgt wurden. Die beiden Verdampfer wurden mit hoher Stromstärke (12'000 A) bei niedriger Spannung (20 V) gespiesen. Die elektrische Ausrüstung stammte von Brown, Boveri & Cie., Baden (BBC) und wurde durch die SBB-Werkstätte Yverdon eingebaut. Der Stromabnehmer befand sich über dem Führerhaus. Wenn der Kessel aufgeheizt war, konnten die Loks bis zu 20 Minuten ohne Energiezufuhr fahren. In der Regel wurde ein kleines Kohlefeuer betrieben, um fahrleitungslose Gleise auch länger als 20 Minuten bedienen zu können. Ein weiterer positiver Nebeneffekt der elektrischen Dampferzeugung war, dass eine kalte Lokomotive innerhalb von einer Stunde aufgeheizt und einsatzbereit war. Sie waren damit die ersten beiden Hybridlokomotiven in der Schweiz. Die Anlage wurde 1951 (8521) bzw. 1953 (8522) wieder ausgebaut.

6 Loks (8478-81, 8519 und 8520) erhielten für den Einsatz in Basel-St. Johann einen vergrösserten Kohlekasten, der über das Führerhausdach hinausragte.

Die ersten beiden Ausrangierungen von E 3/3 der Serie 8451-8533 erfolgten 1946, das Gros wurde zwischen 1957 und 1965 ausser Dienst gestellt. 1966 wurde die letzte E 3/3 ausrangiert. Der Nachwelt erhalten blieben die Nummern 8485 und 8487 bei SBB Historic, Nummer 8512 beim Verein Dampfgruppe Zürich (VDZ) sowie zahlreiche weitere Loks bei Museumsbahnen oder in Privatbesitz.

Die E 3/3 8485 aus der Teilserie 8480-8485 (6 Loks):
Die Lok Nummer 8485 wurde im April 1908 von der SBB übernommen. Sie hat den auf 3320 mm vergrösserten Achsstand und war die letzte Lok, welche noch ohne vordere Rangierplattform in Dienst gestellt wurde. Ihr Kessel besitzt 120 Siederohre und eine gesamte Heizfläche von 56.5 m². Im Juli 1963 erfolgte der Umbau auf einmännige Bedienung durch die HW Biel. Im gleichen Jahr wurde die Lok ausrangiert und an die Emser Werke AG, vormals Hovag, verkauft. Dort diente sie bis ins Jahr 1972 als Werklok Nr. 3. Von 1972 bis 2002 war sie in Privatbesitz. 2002 wurde die Lok von der Historischen Eisenbahn Gesellschaft (HEG) übernommen, ab 2006 bis 2016 erfolgte die Restaurierung, bei der die nachträglich eingebaute Rangierplattform wieder entfernt wurde. Seit 2014 ist die Lok Teil der Fahrzeugsammlung von SBB Historic.
Fahrzeugchronik:1907 Baujahr der E 3/3 8485 (SLM-Fabrik-Nr. 1881).
1908 Übernahme der Lok durch die SBB im April 1908.
1908-1963 Als E 3/3 8485 im Dienst der SBB. Über die Depotzugehörigkeit gibt es nur wenige und widersprüchliche Angaben. Aufgrund der Revisionen in den verschiedenen HW könnten die folgenden Depotzuteilungen möglich gewesen sein:
1908-1925 Depot Basel
1925-1928 Depot Zürich
1928-1945 Depot Biel
1945-1951 Depot Yverdon
1951-1961 Depot Biel
1961-1963 Depot Rorschach
1963 Umbau auf einmännige Bedienung am 5. Juli 1963 durch die HW Biel.
1963 Ausrangierung und Verkauf an die Emser Werke AG, vormals HOVAG.
1963-1972 Als Werklok Nr. 3 im Einsatz bei der Emser Werke AG.
1972-2002 In Privateigentum; 1977-1980 Leihgabe an Eurovapor, Einsatz auf der Wutachtalbahn / "Sauschwänzle Bahn"; ab 1981 abgestellt in der alten Nordostbahn Remise in Koblenz.
2002 Übernahme der E 3/3 8485 durch die Historische Eisenbahn Gesellschaft (HEG) und Überführung nach Delémont.
2006-2016 Betriebsfähige Restaurierung durch die Historische Eisenbahn Gesellschaft (HEG). Bei der Restaurierung wurde die nachträglich eingebaute, ursprünglich nicht vorhandene Rangierplattform wieder entfernt.
2014 Schenkung der E 3/3 8485 von der Historischen Eisenbahn Gesellschaft (HEG) an SBB Historic.
2016 Die E 3/3 8485 ist wieder betriebsfähig.
Veröffentlichungen:[Moser, Alfred: Der Dampfbetrieb der schweizerischen Eisenbahnen 1847-2006. SVEA, 2006, S. 175+178 (SCB), 223+225-226 (J-S); 267-271 (SBB). ISBN 978-3-033-00948-6]
[https://www.volldampf.ch/de/Fahrzeuge/SBB_E_3_3_8485]
[Zellweger, Christian: A 3/5, Tigerli, Elefant & Co., Das Erbe des Dampfzeitalters. AS Verlag, Zürich, 2004, S. 72-81. ISBN 978-3-909111-09-2]

Sammlungskontext

Besitzverhältnis:Eigentum
Eigentümer:SBB Historic
Leihnehmer:Verein Historische Eisenbahn Gesellschaft (HEG)
Betreuer:Verein Historische Eisenbahn Gesellschaft (HEG)

Masse und Gewichte

Länge über Puffer [mm]:8495
Höhe [mm]:3820
Bezugslinie (Lichtraumprofil):EBV 1
Geschwindigkeit max. vorwärts/ rückwärts [km/h]:50 / 50
Dienstgewicht [t]:34,5
Gewicht Tara [t]:26,0
Grösste Achslast [t]:11,9
Reibungsgewicht [t]:34,5
Meterlast [t/m]:4,1
Kohlevorrat [t]:1,7
Wasservorrat [t]:4,2

Antrieb

Antriebsart:Nassdampf Zwillingsmaschine
Steuerung:Walschaerts
Leistung [kW]:370
Zylinderdurchmesser [mm]:360
Kolbenhub [mm]:500
Kesseldruck [bar]:12
Verbrauch Kohle:90 kg/h mittlerer Rangierdiens
Verbrauch Wasser:720 kg/h mittlerer Rangierdienst

Ausstattung

Heizung:Dampf

Fahrwerk und Bremsen

Max. Achsstand [mm]:3320
Max. innerer Achsstand [mm]:1760
Laufkreisdurchmesser [mm]:1040
Automatische Druckluftbremse:Westinghouse W-P

Technische Ausrüstung und Besonderheiten

Technische Besonderheiten:Die von der SBB bestellten «Tigerli», auch die drei direkt an die SBB gelieferten SCB-Exemplare, wurden bei der Schweizerischen Lokomotiv- und Maschinenfabrik (SLM) gefertigt. Es handelte sich um einfach gebaute Rangierlokomotiven mit einer Nassdampf-Zwillingsmaschine. Sie waren mit der Dampfheizung ausgerüstet, um Reisezüge zu beheizen.

Während der ganzen Beschaffungsdauer bis 1915 gab es nach und nach diverse Änderungen und Verbesserungen. So wurde der Radstand ab der Nr. 8480 von 3120 mm auf 3320 mm vergrössert. Für die Mitfahrt des Rangierpersonals wurden ab der Lok Nr. 8486 stirnseitig eine Plattform mit Geländer und an allen Ecken grosse Trittbretter angebracht. Die bereits im Dienst stehenden E 3/3-Loks wurden später ebenfalls mit kleinen Plattformen mit Griff- und Geländerstangen nachgerüstet.

Die neueren Lokomotiven rüstete man mit der Westinghouse-Bremse aus, wobei allerdings nur 24 Loks auch ein Steuerventil für die Lokomotive selbst erhielten. Die übrigen konnten mit der Druckluftbremse nur die Anhängelast bremsen. Für den Einsatz im Streckendienst wurden einige Lokomotiven neben der Druckluftbremse noch mit Geschwindigkeitsmessern ausgerüstet, und die erlaubte Höchstgeschwindigkeit wurde auf 50 km/h festgesetzt. Ohne Tacho und Druckluftbremse betrug die zulässige Höchstgeschwindigkeit 45 km/h.


Weitere technische Daten (E 3/3 8485):
Dienstgewicht der Lok ohne Tender: 34.5 t
Rostfläche: 1.2 m²
Heizfläche Feuerbüchse: 5.6 m²
Heizfläche indirekt: 50.9 m²
Heizfläche total: 56.5 m²

Zulässige Anhängelasten im Einsatz mit historischen Zügen:
bei 0 Promille Steigung: 240 t
bei 10 Promille Steigung: 110 t
bei 26 Promille Steigung: 30 t
Ansichtsbild:
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
    
Typenzeichnung:
 

Verwandte Verzeichnungseinheiten

Verwandte Verzeichnungseinheiten:siehe auch:
RM_T_0014 E 3/3 8487 (Dokument)
 

Benutzung

Erforderliche Bewilligung:Sammlungsleitung
Physische Benützbarkeit:Erschwert möglich
Zugänglichkeit:Nicht öffentlich
 

URL für diese Verz.-Einheit

URL:https://www.sbbarchiv.ch/detail.aspx?ID=510164
 
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